Besuche während des Kuraufenthaltes

Liebe Mütter, liebe Väter,

nicht nur in den Schulferien und an Feiertagen erleben wir immer wieder einen Ansturm von Besuchern. Mitunter planen die Väter parallel zum Kuraufenthalt der Mütter einen mehrtägigen Urlaub in Glowe. Die Mütter fühlen sich bei Besuch verpflichtet, möglichst viel Zeit mit diesem zu verbringen.
 
Dies behindert natürlich die Integration in die Kurgemeinschaft. Diese ist für das Gelingen der Kur aber sehr wichtig, weil hier mütter- und frauenspezifische Themen offen und freimütig diskutiert werden.
 
Die Teilnahme an Freizeitangeboten wie Ausflügen, Busfahrten, Besichtigungen und anderen Gemeinschaftsverantstaltungen werden durch den Vaterbesuch beeinträchtigt, weil dieser mit seiner Familie sein eigenes Programm erleben möchte. Die Mutter verliert schnell den Anschluß an die Gruppe und hat nach Abreise des Mannes Schwierigkeiten, den Weg in die Kurgemeinschaft zurückzufinden.
 
Für das Kind bedeutet der Besuch des Vaters sehr oft eine "Tolle Sache": der Vater bringt Geschenke mit und verwöhnt sein Kind während des Kurbesuches in besonders großzügiger Form. Die Kehrseite dieses Besuches zeigt sich oftmals bei der Abreise: Viele Kinder empfinden die Abreise des Vaters während der Kur, die sie nicht verstehen können, als sehr schmerzhaft. Mütter und Kinder leiden in der Folge oft unter Heimweh, was bis zum Kurabbruch führen kann.
Besonders schlimm wirkt sich Männerbesuch bei Kindern von alleinerziehenden Müttern aus. Auch die Frauen, die ohne Vater ihre Kinder aufziehen müssen, werden nachdenklich. Oft werden alleinerziehende Frauen mit ihren Kindern in eine krisenhafte Lebenssituation zurückgeworfen, die sie schon für überwunden und gemeistert hielten.
 
Die Mutter-Kind-Kur bietet die großartige Chance, die wechselseitigen Beziehungen zwischen Mutter und Kind durch intensive und zeitlich unbegrenzte Inanspruchnahme auf eine neue Basis zu stellen. Beide lernen sich von einer anderen Seite kennen: die Mutter hat Zeit, hört sich die Fragen des Kindes mit Geduld an, sie versteht das Kind und beurteilt seine Reaktionen in einem anderen Licht; am Ende wundert sich die Mutter, daß sie ein ganz "anderes" Kind mit nach Hause nimmt: es ist aggressionsfrei, es ist ruhiger und ausgeglichener geworden. Und auch die Mutter hat sich verändert: in dem Maße, wie das Kind ruhiger und ausgeglichener geworden ist, zeigt sich auch eine größere innere Ruhe und Gelassenheit bei der Mutter im Umgang mit ihrem Kind.
 
Dieser Prozeß der gegenseitigen "Neuentdeckung", die zu einer beiderseitigen Akzeptanz zwischen Mutter und Kind führt, kann durch den Besuch des Mannes und Vaters empfindlich gestört werden. Wir wissen, daß die Mütter sehr viel Überzeugungsarbeit bei ihren Ehemännern leisten müssen, um ihnen diese Problematik zu erklären; denn diese fühlen sich ausgegrenzt und innerlich verletzt, wenn sie hören müssen, daß ihr Besuch bei Mutter und Kind unerwünscht ist. Für Kinder aber ist es - nach deren eigener Aussage - das Schönste, die Mutter für eine so lange Zeit für sich allein zu haben. Das sollten die Väter respektieren.

Ihr Johannes Jäcker
Geschäftsführer