Qualitätssicherung

1. Allgemeines

Die Ostseeklinik Königshörn ist ein Familienunternehmen der Familie Jäcker. Die Besonderheiten der familiären Leitung spiegeln sich in der Anwesenheit und ständigen Ansprechbarkeit der im Unternehmen tätigen Familienmitglieder im Haus wider. Dieser Führungsstil trägt wesentlich zur familiären Atmosphäre im Haus bei.

Bei der Gestaltung ihres Therapiekonzeptes orientiert sich die Ostseeklinik an den Bedürfnissen der Mütter und Kinder. Die Müttergesundheit hat dabei Vorrang vor den Krankheitsbildern der Kinder. Die Mutter steht deshalb im Focus der Vorsorge-/ Rehabilitationsmaßnahme, weil es gilt, die durch Mehrfachbelastungen „ausgebrannten“ Kraftressourcen der Mütter/Väter wieder zu erneuern. Die Mütter sind für die Familie unentbehrlich, weil von ihrem Einsatz und ihrem Engagement das Wohl und Wehe der Familien abhängt. Die Mutter managt das Unternehmen Familie. Sie muss daher fit und belastbar sein. Es ist die Aufgabe unserer Einrichtung, das Therapieangebot auf den Erhalt bzw. die Wiederherstellung der Teilhabe der Mütter an den zentralen Lebensbereichen (Familie, Beruf) auszurichten, also die Müttergesundheit an Leib und Seele zu festigen und da, wo sie gefährdet ist, wieder herzustellen und nachhaltig zu stabilisieren.

Für die behandlungsbedürftigen Kinder wird ein individuelles, auf das Krankheitsbild des Kindes zugeschnittenes Therapiekonzept entwickelt. Für alle Kinder besteht je nach Altersgruppe ein Betreuungsangebot in unserem Kinderland bzw. Kinderclub:

1 Jahr bis 5/6 Jahre Kinderlandkinder
6/7 Jahre bis 14 Jahre Kinderclub/Schulkinder

Das Besondere unserer Kinderbetreuung ist der Ablauf der Mittagspause. Uns ist es wichtig, dass alle Kinder die Mittagsmahlzeit gemeinsam mit ihren Müttern im Rahmen ihrer Familie in den kleinen Speisesälen ihrer Etage einnehmen.

2. Therapiekonzept

Der Schwerpunkt unseres Therapiekonzeptes richtet sich nach dem von der WHO entwickelten  bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell. In diesem Modell finden sich die zahlreichen Kontextfaktoren wieder, die Ursachen für die Gesundheitsgefährdung einer Mutter sein können. Anders als im bio-medizinischen Krankheitsmodell bilden die Kontextfaktoren das soziale Umfeld einer Mutter ab, wie es sich aus der Mehrfachbelastung von Familie und Beruf darstellt. Im bio-psycho-sozialen Krankheitsbild findet der Arbeitsplatz Familie gleichwertige Berücksichtigung wie der gewerbliche Arbeitsplatz. Die Ostseeklinik hat sich prinzipiell auf das „Leitsyndrom mütterlicher Erschöpfung“ bei ihrem Therapiekonzept konzentriert. Das wesentliche Merkmal des „Leitsyndrom mütterlicher Erschöpfung“ ist die Multimorbidität. Die Mütter leiden nicht nur an einer Krankheit. Die „Zielgruppe Mutter“ leidet zu 80% an psychischen und somatischen Beschwerden, die wir in unserem Therapiekonzept zu berücksichtigen haben. Die Behandlungen erfolgen schwerpunktzentriert durch ein interdisziplinäres Team.

Unsere Konzeption stimmt mit den Rahmenvorgaben der Leistungsträger überein, insbesondere mit der Rehabilitationsrichtlinie, den Anforderungsprofilen für Mutter-/Vater-Kind-Einrichtungen und den Versorgungsverträgen nach §111a.

3. Prozessverlauf
Anreisen:
Die Anreise erfolgt in unserem Haus im Block, d.h. alle Patienten beginnen die Maßnahme gemeinsam, durchlaufen sie gemeinsam und beenden sie auch gemeinsam. Dadurch gelingt es sowohl im therapeutischen als auch im Freizeitbereich Gruppenstrukturen zu entwickeln, die den Kurverlauf positiv beeinflussen können.

Anamnese:
In Vorabfragebögen erkundigen wir uns nach den Hauptdiagnosen der Mütter und Kinder. Zusammen mit den Unterlagen des Hausarztes, des Selbstauskunftsbogen und der Krankenkasse bilden sich die Ärzte/innen der Ostseeklinik ein vorläufiges Bild über die Behandlungsbedürftigkeit der großen und kleinen Patienten.
 Aufnahmeuntersuchung / Aufnahmegespräch zu Beginn der Maßnahme
Im Eingangsgespräch werden weitere Einzelheiten der Behandlungsbedürftigkeit zwischen Arzt und Patientin einvernehmlich festgelegt. Jede Mutter und – falls erforderlich auch die Kurkinder – erhalten nach dem Gespräch und in Absprache mit den Psychologen, bei denen ebenfalls Aufnahmegespräche am Anfang der Kur stattfinden – von den Ärzten Anwendungen und Behandlungen verordnet. 

Die Kur
Während der Vorsorge/Rehamaßnahme begleiten die Ärzte als Piloten zusammen mit den Therapeuten die Patienten durch die 3-wöchige Kur. 3-mal in der Woche treffen sich die leitenden Therapeuten mit den Ärzten zu einem Gespräch und besprechen Patientensituationen. Besonders hervorzuheben ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Schwerpunkttherapien. Diese bieten wir für Mütter und Kinder an. Die dort zum Einsatz kommenden Behandlungsleitlinien sind von unseren Therapeuten, Ärzten und der Geschäftsführung über viele Jahre entwickelt worden. Sie werden ständig überprüft und orientieren sich an den aktuellen Erkenntnissen moderner Medizin und Therapie für die spezielle Zielgruppe Mutter und Kind. Eine wichtige Funktion übt in dieser Begleitung der Familiendienst aus. Dieser kümmert sich im Hause um die Familien, die entweder durch Krankheiten oder anderweitige Probleme besonders belastet sind und auf Hilfen ganz persönlicher Art angewiesen sind.

Die Bedeutung unseres Klinikmotto

Miteinander leben

Miteinander reden

Füreinander da sein

Voneinander lernen

Neben der therapeutischen Kette innerhalb der Ostseeklinik hat die Geschäftsleitung zusammen mit den Mitarbeitern und der Unterstützung durch viele Gespräche mit den Müttern dieses Motto für sich gewählt. Es bildet die Grundlage einer gut funktionierenden Gemeinschaft. Die stationäre Vorsorge und Rehabilitation für Mutter-Kind gehören zu den aufwendigsten und komplexesten Maßnahmen in unserem Gesundheitswesen, weil die Zielgruppe Mutter und Kind in ihrer Vielschichtigkeit eine besondere Herausforderung für die Einrichtungen darstellt. Dieses Motto schweißt Mütter und Kinder mit allen Mitarbeitern der Ostseeklinik zu einer großen Familie zusammen. So schaffen wir ein großes Potential an Chancen und Kräften, die das Auftreten von schwierigen Situationen im Kurverlauf erfolgreich verhindern oder diese schnell beseitigen. Die dabei entstehende gegenseitige Wertschätzung schafft unter den Frauen Akzeptanz und Fairness, zwischen den Frauen und den Mitarbeitern/innen ein starkes Gefühl von „hier werde ich ernst genommen, hier brauche ich mich nicht verbiegen, hier darf ich auch mal an mich denken, hier gibt es eine Möglichkeit, die wechselseitigen Beziehungen zwischen Mutter und Kind zu vertiefen, hier herrscht „ein Geist, der Gutes schafft!“

Schlussbemerkung

Unsere Arbeit seit September 1994 wurde begleitet durch den Forschungsverbund für Familiengesundheit der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 1997 sind wir mit verschiedenen Mitarbeitern/innen in diesem Forschungsverbund aktiv tätig. Mit großem finanziellen Aufwand ist es gelungen, in ca. 50 Mutter-Kind-Einrichtungen Daten zu erheben, die letztlich Müttergesundheit beschreiben und das Gefährdungspotential von Müttergesundheit erforschen. Die Krankenkassenverbände und der Spitzenverband des Medizinischen Dienstes (MDS) haben sich seit 2003 (Anforderungsprofile) und 2005 (Begutachtungsrichtlinien) mit den Ergebnissen des Forschungsverbundes identifiziert und diese anerkannt. Nicht zuletzt wurde durch die Arbeit des Forschungsleiters, Dr. Jürgen Collatz und seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern/innen, die Mutter/Vater-Kind-Vorsorge und Rehabilitation als gesetzliche Pflichtleistung im Wettbewerbsstärkungsgesetz (WSG) vom 01.04.2007 festgeschrieben.

Das Klinikkonzept ist in Verbindung mit dem Leitbild verbindliche Handlungsgrundlage für alle Mitarbeiter.